Wenn dein Seelchen flüstert...

Wenn dein Seelchen flüstert...

Du kennst das sicher: du stehst vor einer Entscheidung und in dir kommt ein Gefühl auf was jetzt zu tun wäre. Du nimmst dieses Gefühl wahr und dann…dann schiebst du es gekonnt zur Seite und hörst deinem Kopf zu, weil er so viel lauter schreit als dieses Gefühl.
“Bist du dir sicher, dass du das willst?”, “Wie willst du deine Rechnungen bezahlen, wenn du das jetzt machst?”, “Schau mal, ob es nicht noch eine andere Lösung gibt, die angenehmer ist” - Das sind alles Sätze die sich dein Kopf einfallen lassen kann, damit er der Stärkere bleibt.
Aber warum machen wir das? Warum schenken wir diesem Gefühl so viel weniger Aufmerksamkeit?

Nun ich glaube, dass das schon sehr früh in unserem Leben beginnt. Als Kind ist es die natürlichste Sache der Welt, dass du deinem Gefühl vertraust und ihm zuhörst. Du handelst auch danach und keiner wird das, bis zu einem gewissen Alter, in Frage stellen. Irgendwann kommt aber der Moment, wo du “groß genug” bist um ins “System” integriert zu werden.
In diesem System ist Individualismus aber nicht erwünscht und du fängst an dich an allem Möglichen zu orientieren, aber nicht mehr an deinem Gefühl.
Ein Beispiel:
Du bist 6 Jahre alt, in der ersten Klasse, im Zeichenunterricht. Dein Gefühl hat dir gesagt, dass du einen bunten Blumenstrauß malen möchtest, aber dir wurde von einer Respektsperson gesagt, dass das falsch ist und das alle einen roten Strauß mit grünen Stengeln und gelber Schleife malen.
Du speicherst also ab, dass dein Gefühl, deine Gedanken und deine Bedürfnisse falsch waren und dass das was die Allgemeinheit macht richtig ist.

Nun sind einige Jahre vergangen, in Österreich hast mindestens 9 Jahre lang die Schulbank gedrückt und auch 9 Jahre lang gelernt, dass es richtig und wichtig ist, dass alle das Gleiche machen. Irgendwann ist diese Schulzeit allerdings vorbei und du kommst in der realen Welt an. Dort versuchst du dann weiterhin alles so zu machen, wie es “richtig” ist. Du hast eine perfekte Beziehung, einen tollen, sicheren Angestelltenjob und eine günstige Mietwohnung, weil du auf das Eigenheim mit Garten sparst, wo deine Kinder aufwachsen sollen.
Bist du glücklich? Nein, aber das ist egal, weil es ja das Richtige ist und alle irgendwie so leben.

Bis das Häferl voll ist...

Doch dann kommt der Tag - vielleicht ein Sonntag - an dem du auf der Couch liegst und feststellst, dass du so nicht mehr weitermachen kannst. Dir fehlt der Sinn. Alles erscheint plötzlich in einem neuen Licht. Du hinterfragst einfach alles was gerade in deinem Leben da ist.
An der Stelle kannst du dir selbst auf die Schulter klopfen: du hast dein Gefühl, das dir etwas wichtiges sagen will zum ersten Mal wieder wahrgenommen. Es hat sowas gesagt wie: “Hier stimmt was nicht. Das entspricht mir nicht”.
Das ist der Moment, wo du eine Entscheidung treffen darfst. Schenkst du diesem Gefühl Aufmerksamkeit und fängst an es wertzuschätzen oder ignorierst du es weiterhin und machst das was “richtig” ist?

Weißt du, ich glaube, dass unsere Seele in jeder Inkarnation eine bestimmte Aufgabe hat und dass wir diese Aufgabe finden und leben können, wenn wir auf unser Gefühl hören.
Allerdings kann es sein, dass wir komplett verlernt haben wie man dieses Gefühl ernst nimmt, weil wir zu sehr versucht haben ins System zu passen.
Jedes Mal, wenn wir uns also gegen unser Gefühl entscheiden, speichert unser Unterbewusstsein, dass das Gefühl falsch war und dann kommt der Punkt an dem du dir, deinen Entscheidungen und deinem Gefühl nicht mehr vertraust. Deine Seele will sich trotzdem ihrer Aufgabe widmen, aber kann nicht, weil du kein Vertrauen mehr in dich und den Prozess hast.
Das Resultat ist dann nicht nur, dass du ständig eine Sinnlosigkeit fühlst, sondern auch dass du komplett von Selbstzweifeln zerfressen wirst.
Kein Wunder: Dein Gefühl und dein Handeln stimmen nicht überein. Du verrätst dich immer wieder selbst.

Und Jetzt?

Jetzt weißt du, dass es etwas gibt, dass du immer wieder wegdrückst, weil du das vermeintlich “Richtige” tun möchtest. Wenn du einen neuen Weg einschlagen willst, der deinem Gefühl und deiner Seele genug Platz schenkt, dann kannst du das üben.
Je nachdem wie sehr du alles unterdrückt hast, kann das länger oder kürzer dauern.

Du kannst aber schon heute damit anfangen:
Jedes Mal, wenn du eine Entscheidung treffen sollst, hältst du kurz inne und hörst hin, welcher Teil in dir die Entscheidung treffen will: Gefühl oder Kopf.
Wenn du diesen inneren Dialog beobachtest, wirst du schnell merken was da aus dir spricht.
Umso mehr du dich selbst beobachtest, umso klarer wird dir werden, wo du aus dem Kopf und aus der Vernunft heraus handelst, obwohl es vielleicht gar nicht wirklich dem entspricht was du willst.

Sobald du ein Gespür dafür entwickelt hast, wann du gegen dich selbst arbeitest und wann nicht, kannst du mutig werden und anfangen zu experimentieren. Handle einfach mal nach deinem Gefühl und schau was passiert.
Du willst etwas nicht? Dein Gefühl sagt nein? Dann darfst du das deinem Gegenüber auch klar kommunizieren. Du wirst staunen, was ein kraftvolles Nein bewirken kann.

Deinem Gefühl, deinem zarten Seelenstimmchen wieder Gehör zu schenken ist am Anfang sicher ein bisschen ungewohnt. Trotzdem kannst du stolz auf dich sein, wenn du dich auf diese Reise begibst, denn es ist der erste Schritt zurück zu dir selbst. Zurück zu deinem wahren Selbst, ohne die vielen Regeln und Vorschriften was “richtig” ist.